Geistliches Wort

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

ungewöhnlich für einen Monatsspruch ist dieses Wort aus dem Hebräerbrief! Vermutlich verstehen die meisten beim ersten Lesen, dass sie verfolgte und misshandelte Glaubensgeschwister im Blick haben sollen. Der zweite Teil dieses Verses erinnert an die eigene Verletzlichkeit und zugleich an die Goldene Regel (siehe Bergpredigt Matthäus 7,12).

Schauen wir jedoch auf den Kontext dieses Verses im Brief, geht es dort nicht allein um das Tun von Gutem. Sondern der Brief wurde an Menschen geschrieben, die tatsächlich ihres Glaubens wegen bedrängt waren. Bevor nun ihr Glaube in der Krisenzeit erlischt, ermutigt der Hebräerbrief die Adressaten, Jesus im Mittelpunkt zu belassen: Die Christen sollen also ihre Kreuzesnachfolge genauso treu leben, wie es die Geistlichen der Gemeinde in der Vergangenheit unermüdlich taten. So heißt es ebenso im 13. Kapitel: „Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“

Mit diesen Gedankengängen eröffnen sich für uns viele Fragen im Blick auf aktuelle Herausforderungen. Beispielsweise wie es um unsere Glaubensfrische aussieht, und ob unsere treue Nachfolge Glaubensfrüchte wie die Sorge um Glaubensgeschwister trägt. Ebenso können wir uns fragen, welche Pfarrer, Katecheten, Kirchenmusiker oder andere ‚Lehrer des Glaubens‘ uns immer wieder vor Augen stehen: Wer hat uns so sehr geprägt, dass sie bis heute einen wichtigen Grund für unser Glaubensleben darstellen? Welches gepredigte Wort war uns einmal so zu Herzen gegangen, dass wir darin auch Jahrzehnte später noch Kraft holen, die Zukunft unseres Lebens zu bauen?

Auf der Suche nach Antworten verstehen wir das Anliegen des Schreibers des Hebräerbriefs immer besser. Für ihn gehört zu einem umfassenden, Früchte bringenden Glaubensleben einerseits die Konzentration auf Jesus Christus. Andererseits gehört aber zwingend jene wirkmächtige, von Gottes Geist erfüllte Lehre dazu. Dagegen machte schon damals der Schreiber die Erfahrung, dass offenbar gerade in Krisenzeiten Menschen allzu oft „eitle Künste“ suchen, wie es im Lied „Der Mond ist aufgegangen“ heißt. Sie suchen – ins Neudeutsche übersetzt – also nichts anderes als irdisches, „vergängliches Können“. Auf diese Weise aber stellen sich viele ungewollt und unbemerkt, doch letztendlich selbst in den Vordergrund: Sie verkündigen und thematisieren nur noch eigene Ansichten, Erkenntnisse und Methoden. Eingedenk dieser aufkommenden Selbstinszenierungen in bedrohten Gemeinden ermutigt der Schreiber des Hebräerbriefes ganz intensiv zum „Können Gottes“ durch Jesus Christus.

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit– dieses mahnende Wort aus jenem 13. Kapitel des Hebräerbriefes wurde schließlich zum Slogan für viele.

Solch ein Vertrauen problemlos zu leben, war es nie, ist es nicht und wird es auch nicht sein. Doch aus dem rein gepredigten Evangelium von und über Jesus floss gestern, fließt heute und wird auch morgen reichlich Segen fließen.

Namen des Kirchenvorstandes

Ihr Pfarrer Jan Schober

Monatsspruch Juni

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!

Hebräer 13,3

Monatsspruch Juli

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“

Amos 5,24

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